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Karfreitagskonzert: 29. März 2013

Uckermarkkurier vom 02.04.2013

Warme Töne im politischen Ambiente

Mit passender geistlicher Musik verweisen die „Preußen“ auf den Todestag Christi und regen die Zuhörer zur inneren Einkehr an.

Von Peter Buske

Prenzlau. Es gehört zur mittlerweile 15-jährigen Tradition des Preußischen Kammerorchesters, an Karfreitag zu einem besonderen Konzert in die Nikolaikirche einzuladen. Doch da die Heizung des Gotteshauses  plötzlich ausgefallen war, musste die Hörgemeinde den Weg in den Kultur- und Plenarsaal der Kreisverwaltung antreten. Mit 20-minütiger „Umzugs“-Verspätung konnte das Konzert mit Antonio Vivaldis „Stabat Mater“ und Wolfgang Amadeus Mozarts „Requiem“ beginnen.

Im Nachhinein betrachtet: es war keine schlechte Idee, diese Verlegung aus dem sakralen in den intimeren säkularen Raum. Auch an diesem Orte berührte der „Stabat Mater“-Bericht vom schmerzerfüllten Klagen von  Jesu Mutter über den grausamen Tod ihres Sohnes am Kreuz die Hörer genauso wie die „Requiem“-Fürbitte für die Toten um ewige Ruhe.

Die „Preußen“-Musiker hatten sich, wie es sich für ein deutsch-polnisches Konzertprojekt geziemt, mit Mitgliedern der Stettiner Philharmonie zu einem gut funktionierenden Klangkörper verbunden. Ebenso hielt es der Chor der Camerata Nova Stettin, der sich mit einigen Mitgliedern des Uckermärkischen Konzertchores Prenzlau zu einer kraftvollen Singgemeinschaft verstärkte. Und über allem waltete Eugeniusz Kus seines  Dirigentenamtes.

Doch ehe es unter seiner soliden Leitung um die „letzten Dinge“ des Lebens ging, erklang mit der Vivaldischen Vertonung ein sehr bewegender Bericht von Mariae Seelenzustand. Die Altistin Karolina Gumos trug ihn  mit voluminöser Tiefe vor. Sie formte breit strömende Legatolinien, wusste mit der Seufzermelodik genauso stilkundig umzugehen wie mit Affekten der Angst und Seelenqualen bis hin zu denen liebesbewegter Hoffnungen. Warm, wiegend und mit wenig Vibrato lieferten die Streicher das nötige Klangfundament.



Prenzlauer Zeitung vom 02.04.2013

„Wie ein Heiliger auf einem Ball“

Zum 15. Mal gestalten uckermärkische und polnische Partner das Karfreitagskonzert. Doch diesmal musste man kurzfristig umziehen.

Von Oliver Spitza

Karfreitagskonzert 2013 (Foto: Oliver
        Spitza)Prenzlau. Das 2013er Osterfest wird noch lange in Erinnerung bleiben. Nicht nur weil es weiße Feiertage waren, sondern weil diese auch so  manch unerwartete Überraschung brachten.

Als sich am Karfreitag Jürgen Bischof und seine Mitstreiter auf das abendliche Requiem in St. Nikolai vorbereiten wollten, schlug ihnen eisige Luft beim Betreten des Gotteshauses entgegen. Die Heizung war ausgefallen. „Bei acht Grad können wir es keinem Zuhörer zumuten,  eineinhalb Stunden Musik zu hören. Aber auch den Akteuren ist so etwas nicht zuzumuten. Sie brauchen bestimmte Bedingungen. Bei solchen extremen Temperaturen können zum Beispiel die Holzblasinstrumente reißen. Der heißte Atem der Bläser und die niedrige Außentemperatur führen zu Spannungen. Betroffen sind aber auch dieGeiger“, so Jürgen Bischof.

Was also tun? Ausfallen lassen? „Auf gar keinen Fall. Auch wenn das Requiem für die Nikolaikirche konzipiert war – wir sind kurz  entschlossen in den Plenarsaal der Kreisverwaltung umgezogen.“ Die polnischen Gäste stellten ihren Bus bereit, um Zuhörer von der Kirche in die Grabowstraße zu bringen.Das Requiem begann dann zwar mit halbstündiger Verspätung, aber dafür durfte der proppevoll besetzte Saal einen einzigartigen Musikgenuss erleben. Und diesmal kamen nicht nur die Akteure auf der Bühne ins Schwitzen, sondern auch die für einen Kirchbesuch warm angezogenen Zuhörer, denn der Plenarsaal war – um es vorsichtig zu sagen – sehr gut geheizt.

In den letzten 14 Jahren haben die Prenzlauer Musiker und ihre polnischen Partner schon so ziemlich alles an Passions- und Trauermusikgespielt, was es gibt. Zum 15. Karfreitagskonzert hatte Eugeniusz Kus mit dem Preußischen Kammerorchester und Mitgliedern  der Stettiner Philharmonie sowie mit dem Chor der Camerata Nova Stettin und Mitgliedern des Uckermärkischen Konzertchores zwei besondere Meisterwerke einstudiert. Zunächst erklang Antonio Vivaldis „Stabat  Mater“, der Klagegesang der Gottesmutterüber ihren gekreuzigten Sohn. Vivaldi (1668-1741) hatte sein „Stabat Mater“, das auf das oft vertonte mittelalterliche Gedicht (Stabat mater dolores – Es stand die Mutter schmerzerfüllt) Bezug nimmt, 1727 komponiert. Die polnische Mezzosopranistin Karolina Gumos, die in Poznan und Berlin Gesang studiert hat und nun an der Komischen Oper Berlin engagiert ist, interpretierte dieses Klagelied mit reiner, feiner Stimme.

Um Wolfgang Amadeus Mozarts letzte Komposition ranken sich viele Legenden. Denn sie blieb nicht nur unvollendet. Ein mysteriöser Bote soll im Spätsommer 1791 dem notorisch in Geldsorgen steckenden Mozart  den Auftrag zur Komposition eines Requiems gebracht haben, die Hälfte des Preises bekam er als Vorschuss. Doch Mozart erkrankte schwer und starb am 5. Dezember 1791, da war das Auftragswerk erst etwa zu  zwei Dritteln fertig. Schüler von Mozart vervollständigten das Werk im Auftrag der Witwe, auch der geheimnisvolle Auftraggeber gab sich zu erkennen und pochte auf seine Ansprüche, schließlich einigte man sich  und das Requiem setzte nach seiner offiziellen Uraufführung am 14. Dezember 1793 zu seinem musikalischen Siegeszug an. Aber war der Auftragüberbringer im jenen Spätsommer 1791 gar ein Bote aus dem Jenseits  gewesen, der dem Musiker sein eigenes Ende angemeldet hatte? Hatte Mozart unbewusst oder bewusst das Requiem für seine eigene Totenmesse geschrieben? Wurde der Musiker vergiftet? Die Gerüchteküche  damals brodelte (und brodelt noch immer, wenn man an den Film „Amadeus“ von Milos Forman, 1984, denkt) und machte das monumental-pathetische Werk für vier Vokalsolisten, vierstimmigen Chor und einem  kleinen klassischen Orchester immer populärer. Die vom Chor getragene und dominierte Trauermusik erklang zum Beispiel bei der Totenfeier für Napoleon anlässlich der Überführung seiner Leiche in den Pariser Invalidendom oder zum 100. Todestag von Mozart im Salzburger Dom, aber auch am 1. Mai 1918 für die Gefallenen der Revolution im Petersburger Winterpalais und zum 100. Geburtstag von Karl Marx. Der  Romantiker E. T. A. Hoffmann lobte das Werk 1814 in der Allgemeinen Musikalischen Zeitung in den höchsten Tönen, kritisierte aber eine wohl schon damals gängige Aufführungspraxis: „Das Requiem, im  Concertsaal aufgeführt, ist nicht dieselbe Musik; die Erscheinung eines Heiligen auf einem Ball.“

Nun ja, der gute Hoffmann hätte angesichts der Notsituation am Karfreitag der Prenzlauer Aufführung sicherlich wohlwollend gegenüber gestanden. Das 15. Karfreitags-Konzert war eben, der besonderen Atmosphäre einer Kirche beraubt, „nur“ ein Konzert, aber ein sehr schönes und berührendes. Lang anhaltender Beifall mitsamt Bravo-Rufen bestätigten dies, aber eine Zugabe gab und gibt es natürlich bei einem Requiem nicht.



Prenzlauer Zeitung vom 16./17.03.2013

Freunde bei Mozart-Requiem dabei

Die Aufführung des traditionellen Karfreitagskonzerts rückt näher. Erneut ist ein hochkarätiges Ensemble Garant für Musikgenuss.

Von Monika Strehlow

Eugeniusz Kus (Foto: Monika Strehlow)Prenzlau. Die Prenzlauer Musikfreunde fiebern schon dem Karfreitag entgegen. Denn seit Jahren gehört das Karfreitagskonzert in der  Nikolaikirche zu den absoluten Höhepunkten der Kreisstadt. Zum einen, weil es einen besonderen Akzent zu den Osterfeiertagen setzt. Zum  anderen, weil es hohe musikalische Qualität garantiert. Und nicht zuletzt, weil es ein Wiedersehen mit langjährigen Freunden des Veranstalters Uckermärkische Kulturagentur bedeutet.

So agieren am 29. März in der Prenzlauer Nikolaikirche wieder der Chor der Camerata Nova Stettin, Mitglieder des Uckermärkischen  Konzertchores Prenzlau, das Preußische Kammerorchester unter dem Dirigat des Stettiner Musikprofessor, Eugeniusz Kus. Das ausgewählte Solistenquartett mit Stefanie Wüst (Sopran) aus Köln, Karolina Gumos (Alt) aus Berlin, Christoph Schröter (Tenor) aus Potsdam und Uwe  Griem (Bass) aus Berlin ergänzt das Ensemble. Traditionell haben wieder der Bürgermeister der Stadt Prenzlau, Hendrik Sommer, der  Vorsitzende des Freundeskreises des Preußischen Kammerorchesters, Peter Klinkenberg, und die Uckermärkische Kulturagentur zu diesem  Musikabend in die Kreisstadt eingeladen.

Im Mittelpunkt des Konzertes steht Wolfgang Amadeus Mozarts letzte Komposition, sein musikalisches Vermächtnis und Meisterwerk, das  „Requiem für Solisten, Chor und Orchester“. Vollenden konnte er es selbst nicht, das übernahmen im Auftrag seiner Frau Constanze dessen  Schüler Joseph Eybler und Franz Xaver Süßmayr. „Mozarts Requiem zählt heute unumstritten zu seinen beliebtesten und am höchsten  eingestuften Werken“, erklärt Jürgen Bischof, Direktor der Kulturagentur. Zu hören sein wird es zusammen mit Antonio Vivaldis Stabat Mater, die zuvor erklingen wird.

Karten sind an den bekannten Vorverkaufsstellen und der Abendkasse erhältlich. Die Nikolaikirche ist geheizt.


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